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Low Stress und High Stress Training von Cannabis Pflanzen: Methoden, Vor- und Nachteile
Beim Anbau von Cannabis gibt es verschiedene Techniken, um das Wachstum der Pflanzen zu optimieren und den Ertrag zu maximieren. Ebenso kann richtiges Training die Gefahr von Schimmel reduzieren. Zwei der bekanntesten Methoden sind das Low Stress Training (LST) und das High Stress Training (HST). In diesem Blogbeitrag erklären wir, was hinter diesen Begriffen steckt, welche Techniken dazu gehören und welche Vor- und Nachteile sie bieten.
1. Low Stress Training (LST)
Low Stress Training ist eine schonende Methode, um die Wuchsrichtung der Cannabis Pflanze nach unseren Wünschen zu beeinflussen. Das Ziel ist es, ein möglichst ebenes Blätterdach zu erzielen, wodurch alle Blüten (Colas) gleichmäßig viel Licht erhalten. Ebenso kann dafür gesorgt werden, dass untere Seitentriebe mehr Licht bekommen. Dadurch kann der Ertrag erhöht werden, ohne die Pflanze stark zu stressen. Speziell für Autoflowers ist LST das Mittel der Wahl.
1.1 Methoden des Low Stress Trainings
- Anbinden (Biegen): Die Hauptmethode beim LST ist das vorsichtige Biegen und Anbinden der Äste, um das Wachstum in die gewünschte Richtung zu lenken. Die Pflanze wird horizontal gebogen, sodass mehr Licht an die unteren Blütenstände gelangt. Dies führt zu einem buschigeren Wuchs.
- ScrOG (Screen of Green): Hierbei wird ein Netz über die Pflanze gespannt, durch das die Äste hindurchwachsen. Sobald die Pflanze das Netz erreicht, werden die Äste nach unten gebogen, um ein gleichmäßiges Wachstum zu fördern.
1.2 Vorteile von LST
- Kein starkes Stressen der Pflanze: Da die Pflanze nicht beschädigt wird, erholt sie sich schnell und wächst ungehindert weiter.
- Erhöhung des Ertrags: Durch das gleichmäßige Licht auf alle Teile der Pflanze kann der Gesamtertrag etwas gesteigert werden.
- Optimierung des Platzes: LST ist besonders nützlich in begrenzten Anbauflächen wie Indoor-Growboxen, da es die Höhe der Pflanze kontrolliert und dafür sorgt, dass die Growbox komplett ausgefüllt wird.
- Erhöhung der Effizienz: Je besser der Platz in der Growbox ausgefüllt wird, desto besser ist die Effizienz im Bezug auf Lichtleistung zu Ertrag (Gramm pro Watt). Im Idealfall kommt kein Licht ungenutzt durch das Blätterdach, sondern wird komplett von den Pflanzen aufgenommen.
- Höhenkontrolle: Wenn die Pflanzen der Lampe zu nahe kommen und diese nicht weiter erhöht werden kann, können die obersten Triebe nach unten gebunden werden, um Verbrennungen zu vermeiden.
1.3 Nachteile von LST
- Zeitaufwendig: LST erfordert regelmäßige Anpassungen und Pflege, da die Pflanze ständig neu angebunden werden muss. Du darfst nicht zu lange warten, denn sonst verholzen die Äste und lassen sich nicht mehr wie gewünscht biegen.
- Längere Wachstumsphase: Da das Wachstum gebremst wird, kann die Wachstumsphase etwas länger dauern, bevor die Pflanze in die Blütephase übergeht. Jedoch ist der Effekt eher gering im vergleich zum HST.
- Umtopfen: Da die Schnüre für das LST meist am Topf befestigt werden, wird das darauffolgende Umtopfen erschwert.
- Beschädigungen: Werden Triebe zu stark beansprucht, so können diese abknicken. An Astgabelungen kann sich der Hauptstamm aufspalten, was zu ernsthaften Problemen führt. Hier muss sofort gehandelt werden. (Produkt Wundverschluss)
- Zeitlich begrenzt: Junge Triebe sind nur zu Beginn flexibel. Je älter diese werden, desto mehr verholzen sie. Ab einem gewissen Alter ist es nicht mehr möglich, sie ohne Beschädigungen herunterzubinden.
Tipps:
- Statt Löcher in die Kunststofftöpfe zu bohren, kannst du einfach Papierklemmen verwenden, um die Schnüre daran festzubinden.
- Binde die Knoten nicht zu fest um die Äste, oder verwende gummierten Blumendraht zum einhaken. Denn wenn später die Äste wachsen, können die Schnüre einschnüren.
- Warte nicht zu lange und beginne früh, damit die Äste nicht verholzen können
2. High Stress Training (HST)
High Stress Training ist eine aggressivere Methode, bei der die Pflanze bewusst verletzt oder stark gestresst wird, um ihre Wachstumsreaktion zu beeinflussen. Das Ziel ist es, die Pflanze dazu zu bringen, mehr Energie in die Bildung von Blütenständen zu stecken und ebenfalls ein gleichmäßiges Blätterdach zu erzeugen.
2.1 Methoden des High Stress Trainings
- Topping: Bei dieser Methode wird der Haupttrieb der Pflanze oben abgeschnitten, um das Wachstum in die seitlichen Triebe zu lenken. Dies führt dazu, dass die Pflanze buschiger wächst und mehrere, aber dafür etwas kleinere Headbuds entwickelt.
- Fimming: Ähnlich wie beim Topping, jedoch wird hier nur ein Teil der neuen Triebspitze entfernt. Dies führt zu mehreren neuen Trieben als beim Topping. Die richtige Stelle ist jedoch schwierig zu treffen.
- Supercropping / Knicken: Hierbei werden die Äste der Pflanze vorsichtig geknickt, ohne sie zu stark zu beschädigen. Vor dem Knicken wird der Stamm etwas zwischen den Fingern gerollt und gedrückt, wodurch die Stelle weicher wird. Dort lässt sich die Pflanze dann verbiegen, ohne dass zu große Risse entstehen. Supercropping kann durch den ausgelösten Stress die Erträge steigern. Mit dieser Methode kann auch die Höhe einer Pflanze drastisch reduziert werden, durch zweifaches Knicken ergibt sich eine „N Form“, welche dann mit z.b. Kabelbindern fixiert wird.
- Defoliation/Entlaubung: Bei dieser Technik werden gezielt einige Blätter entfernt, um mehr Licht an die unteren Teile der Pflanze zu lassen und die Luftzirkulation zu verbessern. Schimmelvorbeugung.
Das Abschneiden des Haupttriebes (Topping) ist eine beliebte Methode um die Pflanze mehr in die Breite, statt in die Höhe wachsen zu lassen. Nachdem der Haupttrieb entfernt wurde, wird vermehrt Energie in das Wachstum der Seitentriebe gesteckt. Die Pflanze kann grundsätzlich an jeder Stelle oberhalb einer Nodie (Abzweigung) getoppt werden, die Pflanze sollte dabei allerdings nicht zu jung sein, um sich gut davon zu erholen. Meistens wird ab der vierten oder fünften Abzweigung geschnitten.
Die neuen Seitentriebe können dann erneut beschnitten werden, um noch mehr Seitentriebe zu erzeugen.

Die folgenden Bilder zeigen, wie widerstandsfähig Cannabispflanzen sind. Ein Steckling wurde zwei Mal geknickt und fixiert, wenige Tage später wächst die Pflanze einfach weiter. Diese Technik lässt sich gut anwenden, falls einzelne Triebe zu nahe an die Lampe kommen und der Platz nicht mehr ausreicht.

2.2 Vorteile von HST
- Erhöhte Erträge: Durch die verstärkte Energieverteilung in die Seitentriebe können mehr Blütenstände entstehen, was den Ertrag erhöht.
- Kompaktere Pflanzen: HST führt zu einem buschigeren Wuchs, was besonders in begrenzten Räumen vorteilhaft ist.
- Bessere Lichtdurchdringung: Durch Techniken wie Defoliation wird sichergestellt, dass alle Blütenstände ausreichend Licht bekommen. Durch das ebene Blätterdach kann überall die ideale Lichtintensität eingestellt werden. Denn ohne Training kann der Headbud viel zu nahe an der Lampe sein, während die Seitentriebe zu wenig Licht bekommen.
- Schimmelvermeidung: Durch Toppen entstehen mehrere kleinere Headbuds, welche im Gegensatz zu einem einzelnen großen weniger anfällig für Schimmel sind. Das Entfernen von Blättern kann zu einer besseren Belüftung führen, wodurch feuchte Stellen und Kondenswasser vermieden werden.
- Erhöhung der Effizienz: Je besser der Platz in der Growbox ausgefüllt wird, desto besser ist die Effizienz im Bezug auf Lichtleistung zu Ertrag (Gramm pro Watt). Im Idealfall kommt kein Licht ungenutzt durch das Blätterdach, sondern wird komplett von den Pflanzen aufgenommen.
2.3 Nachteile von HST
- Erhöhtes Risiko: Da die Pflanze stark gestresst wird, besteht die Gefahr, dass sie langsamer wächst oder sich nicht richtig erholt. Unsaubere Werkzeuge können Schimmel an die Schnittstellen einschleppen.
- Verlängerte Erholungszeit durch Stress: Nach dem Einsatz von HST benötigen die Pflanzen Zeit, um sich zu regenerieren, was zu einem Wachstumsstop führt und die Gesamtdauer des Anbaus verlängern kann.
- Nicht für alle Sorten geeignet: Manche empfindlichen Sorten reagieren negativ auf HST und könnten dadurch Schaden nehmen oder Zwittern.
3. Kombination von LST und HST
Eine Kombination beider Methoden kann ebenfalls angewendet werden, beispielsweise um die Pflanzen auf einen SCROG vorzubereiten. Hierfür wird die Pflanze früh getoppt, und dann anschließend die Seitentriebe heruntergebunden, um ein möglichst breites Wachstum zu erzeugen.


Mit SCROG (Screen of Green) wird eine Technik bezeichnet, die mithilfe eines Netzes die Wuchsform der Pflanze so verändert, dass ein gleichmäßiges Blätterdach erzeugt wird. Speziell in Deutschland bietet diese Methode den Vorteil, dass mit einer geringen Anzahl an Pflanzen der vorhandene Platz gut ausgenutzt werden kann um einen ordentlichen Ertrag zu erzielen. Im Bild oberhalb füllen zwei Pflanzen eine 80x80cm Growbox komplett aus. Die Methode hilft auch dabei die für Licht investierte Energie möglichst effizient zu nutzen. Denn alles Licht was am Boden der Growbox ankommt ist verschwendet, und nur das Licht was auf die Blätter trifft kann auch für die Photosynthese verwendet werden.
Für einen SCROG wird die Pflanze früh ein bis zwei Mal getoppt, um viele Triebe zu erzeugen. Die neuen Triebe können dann etwas nach unten gebunden werden, um die Pflanze in die Breite wachsen zu lassen. Anschließend spannt man ein Netz etwas über den Pflanzen, und beginnt damit die Triebe einzuflechten, um alle auf eine gleiche Höhe zu bringen. Wenn die Growbox fast komplett ausgefüllt ist, und kaum noch Licht durch das Blätterdach auf den Boden scheint, kann die Blüte eingeleitet werden. Fällt der Stretch zu Blütebeginn zu stark aus, kann noch ein zweites Netz etwas darüber gespannt werden.
Tipps für SCROG:
- Je nach Ausleuchtung deiner Lampe kann es Sinn machen, die Triebe an den Rändern etwas höher wachsen zu lassen als in der Mitte. Da diese dann etwas näher an der Lampe sind, gleicht das die meist schlechtere Lichtstärke am Rand aus.
- Da bei einem SCROG meist eine längere Vegetationsphase sinnvoll ist um den Platz auszufüllen, solltest du von Anfang an darauf achten dass deine Pflanzen nicht zu hoch werden.
- Bereite die Pflanzen rechtzeitig darauf vor. Wenn du zu lange wartest verholzen die Triebe und lassen sich nicht mehr an den gewünschten Ort biegen.
3. Low Stress Training vs. High Stress Training: Welche Methode ist besser?
Die Wahl zwischen LST und HST hängt stark von den Zielen, der Erfahrung des Growers und der spezifischen Cannabissorte ab. Anfänger sollten mit LST beginnen, da es weniger riskant ist und der Pflanze nicht so stark zusetzt. Fortgeschrittene Grower, die nach maximalen Erträgen streben, können HST in Betracht ziehen, sollten jedoch die Risiken und die zusätzlichen Pflegeanforderungen im Blick behalten.
Werden selbstblühende Sorten angebaut, kommt normalerweise nur LST in Frage. Denn bei Autoflowers ist die Zeitspanne zwischen Keimung des Samens und der Einleitung der Blüte festgelegt und kann nicht verlängert werden. Die Zeitspanne beträgt ungefähr 30 Tage. Würde nun durch HST ein Wachstumsstop von ein paar Tagen verursacht, so kann die Pflanze ihre maximale Größe bis zur Blüte nicht erreichen. Erfahrene Grower beschneiden allerdings auch Autoflowers mit Erfolg, als Einsteiger sollte man HST lieber nur bei photoperiodischen Pflanzen anwenden, da bei diesen Fehler durch eine längere Vegetationsphase ausgeglichen werden können.
Kombiniert man High Stress Training und Low Stress Training können die Vorteile beider Methoden zusammen genutzt werden.
Fazit
Sowohl Low Stress als auch High Stress Training bieten effektive Wege, das Wachstum und den Ertrag von Cannabis Pflanzen zu steigern. LST eignet sich für Grower, die ein sanfteres, risikoärmeres Vorgehen bevorzugen, während HST für diejenigen interessant ist, die bereit sind, mehr Aufwand und Risiko in Kauf zu nehmen, um möglicherweise höhere Erträge zu erzielen. Letztlich hängt der Erfolg beider Methoden von der richtigen Anwendung und dem Verständnis für die Bedürfnisse der Pflanzen ab.